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Neurologie & Psychiatrie

Migräne: Diagnose

Migräne

Die Migräne ist die häufigste zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führende Kopfschmerzform und ist charakterisiert durch rezidivierende Kopfschmerzattacken, welche von autonomen Symptomen begleitet sind. Initial treten bei 10–20% der Betroffenen neurologische Funktionsstörungen auf. Zwischen den Attacken besteht subjektiv Beschwerdefreiheit.

Klassifikation
  • Migräne ohne Aura
  • Migräne mit Aura
  • Wahrscheinliche Migräne (erfüllt alle bis auf ein Kriterium der Migräne ohne/mit Aura)
Diagnostische Kriterien der Migräne ohne Aura
A Mindestens 5 Attacken, die die Kriterien B–D erfüllen
B Kopfschmerzdauer: 4–72 Stunden (bei Kindern 1–72 Stunden)
C Mindestens 2 der folgenden Kriterien:
  1. Schmerzlokalisation einseitig
  2. Schmerzqualität pochend/pulsierend
  3. Schmerzintensität mäßig bis stark
  4. Leichte oder mäßige körperliche Aktivität verstärkt die Schmerzen oder wird vermieden
D Mindestens 1 der folgenden Kriterien:
  1. Übelkeit und/oder Erbrechen
  2. Photo- und Phonophobie
E Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen
Symptomatik
Vorboten

Z.b. Müdigkeit, Konzentrationsstörung, Gereiztheit, Überempfindlichkeit gegenüber Reizen, Verspannung der Nackenmuskulatur, Gähnen, Heißhunger

Aura
  • Bei 10–20% der Migränebetroffenen
  • Kortikale (seltener in den Hirnstamm zu lokalisierende) Funktionsstörung
  • Am häufigsten visuelle Phänomene (z.B. Skotome), seltener Hyp- und Dysästhesien in brachiofazialer Betonung und Sprachstörungen
  • Entwicklung allmählich über mindestens 5 Minuten (DD zur akut einsetzenden transitorisch ischämischen Attacke!)
  • Abklingen nach 20 bis 60 Minuten
  • Längstens innerhalb einer Stunde Einsetzen von Kopfschmerzen
  • Gelegentlich: isolierte Migräneaura ohne Kopfschmerz
Kopfschmerzphase
  • Schmerz meist einseitig, mäßig bis stark, pulsierend, verstärkt durch einfache Tätigkeiten
  • Begleitsymptome obligat: am häufigsten Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmscheu; weitere Symptome: z.B. Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen, Frösteln, Zittern, Schwitzen, Schläfrigkeit, verlangsamtes Denken
  • Dauer: Stunden, z.T. wellenförmig über 2–3 Tage
Rückbildungsphase

Schmerz abgeklungen, aber Erschöpfung, Abgeschlagenheit, Müdigkeit noch vorhanden

Triggerfaktoren

  • Keine allgemein gültigen oder konstanten Auslösefaktoren (Trigger)
  • Gesicherter Zusammenhang zwischen Migräne und Menstruation
  • Weitere gesicherte Faktoren: Nackenverspannung, psychische Anspannung, Stress, Müdigkeit, Exposition gegenüber Lärm, Gerüchen
  • Witterungseinflüsse können sowohl ungünstige als auch günstige Einflüsse haben
  • Nahrungs- und Genussmittel von begrenzter Bedeutung, Ausnahme: Alkohol bei manchen Personen
  • Empfehlung: regelmäßig trinken und essen, ausreichend schlafen, individuell gesicherte Auslöser beachten

Pathophysiologie

Multifaktorielle genetische Disposition + endogene und exogene Faktoren
→ Funktionsstörung im Hirnstamm bzw. in der Hirnrinde →
→ Aktivierung des trigeminovaskulären Systems →
→ dynamische Änderungen an Duragefäßen, Freisetzung von vasoaktiven Peptiden und Schmerzmodulatoren →
→ lokale Vasodilatation + sterile Gefäßwandentzündung
→ Aktivierung von Afferenzen im N. trigeminus

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Letztes Update:5 März, 2009 - 13:47